Die Geschichte der Bartkaninchen
- und was wir damit zu tun haben

Nach einem sehr spannend zu lesenden Artikel von Bert Driessen und Hans Ringnalda, der in der Zeitschrift Avicultura (Ausgabe Januar 2004) veröffentlicht ist, wurden die ersten Bartkaninchen von dem Belgier Raoul Verwulgen im Jahr 1956 zufällig auf dem Hof eines Einsiedlers entdeckt und zunächst für "Moschusratten" gehalten. Vielleicht sind die beiden Tiere, die er damals von dort mitnahm, die Ahnen der heutigen Bartkaninchen.


Nachdem der Versuch, die Bartkaninchen 1961 auf einer Ausstellung in Gent (daher "Gentse Baardkonijnen") zu präsentieren und als Rasse anerkennen zu lassen, gescheitert war, konnte das Interesse der Rassezucht offenbar auch später nicht mehr geweckt werden und so überdauerten sie die Zeiten in einigen Liebhaberhaltungen. In den 1980er Jahren gelangten Bartkaninchen auch nach Deutschland und wurden im damaligen Haustierpark Warder in Schleswig-Holstein gehalten. Von dort aus wurden sie auch an weitere Stellen, die sich mit der Erhaltung seltener und gefährdeter Haustierrassen befassten, weitergegeben.


Wir sahen Bartkaninchen im Tierpark Warder, danach auch auf einem der Arche-Höfe und waren sofort begeistert von diesen attraktiven und zutraulichen Tieren. Wir erfuhren, dass es nun nur noch wenige dieser Kaninchen gab, große Schwierigkeiten mit dem Nachwuchs aufgrund der vermuteten Inzuchtdepression auftraten und es daher um den Fortbestand dieser Rasse ziemlich düster aussah.


Seit einiger Zeit überlegten wir damals, zur Ergänzung unseres Selbstversorger-Gartens auch Haustiere anzuschaffen und übernahmen im August 2001 zunächst ein aussortiertes Kaninchen (das haben wir übrigens heute noch), einige Wochen später dann zwei weitere, nicht zuchtfähige Tiere. Inzwischen war das Erhaltungszuchtprojekt erfolgreich angelaufen, und nachdem wir uns mit der Kaninchenhaltung, von der wir damals überhaupt keine Ahnung hatten, vertraut gemacht hatten, beschlossen wir, auch hieran mitzuwirken. Im Frühjahr 2002 folgten dann weitere Tiere, im Sommer dann der erste Nachwuchs - und weitere Ställe ...


Als Naturwissenschaftler wollten wir natürlich auch wissen, wie diese Rasse entstanden ist  und warum sie eigentlich so selten war. In der einschlägigen Literatur konnten wir jedoch keine Hinweise und Informationen weder zu dieser Rasse noch zu den einzelnen Merkmalen finden - es gab einfach keine schwarzwildfarbige Kaninchenrasse mit dunklen Fellabzeichen und dieser langen, feinen Behaarung. Alle Versuche, die Bartkaninchen als eine Kombination bekannter Rassen zu beschreiben oder zu konstruieren, waren unbefriedigend und voller Widersprüche.


Nachdem die ersten Ergebnisse des Erhaltungszuchtprojektes vorlagen, die erstmals die Erbgänge der beteiligten Faktoren klarmachten, ging uns langsam ein Licht auf, dass es sich tatsächlich um eine bisher unbeschriebene Rasse handeln könnte, die sich nicht durch Kombination oder Kreuzung anderer vorhandener Rassen erzeugen ließ, sondern auf eine Mutation zurückgeht - und damit auch mindestens einen bisher unbeschriebenen Erbfaktor trägt. Damit wurde deutlich, dass das Bartkaninchen nicht nur ein sehr hübsches Tier ist, sondern aus erbbiologischer und kulturhistorischer Sicht ein einzigartiges Kleinod darstellt, um das wir uns dringend weiter kümmern müssen ...


Zurzeit wird das zentrale Zuchtbuch des Erhaltungszuchtvereins 9D1 für das Belgische Bartkaninchen bei uns geführt.

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